In seiner Ansprache erklärte Dimitris Koutsoumbas, Generalsekretär des Zentralkomitees der KKE, unter anderem: „Man könnte sagen, dass wir die Durchführung unserer heutigen Veranstaltung hier an der Mauer von Kaisariani, an der ‚Grenze der Welt‘, wie der Dichter geschrieben hat, kurz vor dem diesjährigen 1. Mai, nicht allein beschlossen haben. Die Blicke, die aufrechte Haltung und der Stolz, mit denen die 200 kommunistischen Helden dem Tod entgegen gingen, die vor 82 Jahren an diesem Ort hingerichtet wurden, haben es gefordert. (…) Wir sahen diesen unglaublichen Heroismus zum ersten Mal in Bildern festgehalten, in den erschütternden Dokumenten, die im vergangenen Februar ans Licht kamen und bei unserem ganzen Volk Ehrfurcht, Bewunderung und Stolz hervorriefen.
Ihr Bild ist unsterblich geworden und hat sich zu Recht als ein Denkmal der modernen griechischen Geschichte etabliert.Wir können uns die Haltung Hunderter weiterer Genossen vor Augen führen, die hier während der Besatzungszeit und insbesondere in den ersten zehn Tagen des Mai 1944 hingerichtet wurden, Tausender, die in den Kämpfen der Volksbefreiungsarmee ELAS und später der Demokratischen Armee Griechenlands DSE gefallen sind, all jener, die während des Jahrzehnts 1940 – 1950 vom griechischen bürgerlichen Staat hingerichtet wurden, damals, als die griechische Bourgeoisie ihre Herrschaft beinah verloren hätte.
Diese Fotos und ihr Vorbild bewegten, durchdrangen und erschütterten die gesamte Gesellschaft, jeden Menschen guten Willens. Sie sprachen die Herzen der einfachen Menschen und der Jugend an.
Sie haben auf schlagkräftige Weise die Haltlosigkeit der geschichtsfremden Theorien der beiden Extreme aufgezeigt, der Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus. All diese Absurditäten, die von den gut bezahlten Stäben in Brüssel erfunden und von Regierungen, bürgerlichen Parteien, einem Teil der Professoren und gut bezahlten Sprachrohren weiterverbreitet werden.
Doch nun, als die Abgeordnetengruppe der KKE im EU-Parlament anlässlich der Veröffentlichung der Fotos eine Anfrage an die Kommission gerichtet hat, genau zu diesen Theorien und zur Notwendigkeit, dass der deutsche Staat endlich die geschuldeten Kriegsreparationenan Griechenland zahlt, erklärte sich die Kommissionals „nicht zuständig“. Und was glaubt Ihr, was sie von der KKE verlangte? Die Rücknahme der Anfrage!
Sie erklären sich jedoch nicht für nicht zuständig, wenn es darum geht, die Hingerichteten mit ihren Henkern gleichzusetzen. Die unbeugsamen Helden, die der Kampf unseres Volkes hervorgebracht hat, mit den niederträchtigen Tätern des Exekutionskommandos! Wenn sie die faschistische Wehrmacht mit der befreienden Roten Armee gleichsetzen, die um diese Zeit im Jahr 1945 Berlin stürmte und die rote Fahne mit Hammer und Sichel ins Herz der faschistischen Bestie rammte. Wie es scheint, haben sie das noch nicht überwunden...
Die fotografischen Dokumente der 200 von Kaisariani haben auf unvergleichliche Weise die beiden Welten festgehalten, die sich damals in einem unversöhnlichen Konflikt miteinander befanden. Auf der einen Seite der Fotos sah man das um seine Freiheit vom Besatzer und den kapitalistischen Fesseln kämpfende Volk, das Volk, das schon vor und während der Besatzung unter dem bürgerlichen Staat gelitten hat. Und auf der anderen Seite der Fotos standen die Henker, die Nazi-Besatzer, der griechische bürgerliche Staat, der die inhaftierten Kommunisten an die Nazis auslieferte.“
Der Generalsekretär des Zentralkomitees der KKE ging in seiner Rede sowohl auf die politischen Entwicklungen als auch auf die großen Kämpfe der Arbeiterklasse und anderer Volksschichten ein, wie etwa die großen Kämpfe der Bauern, sowie auf die bedeutende Stärkung der Positionen der Kommunisten innerhalb der Gewerkschaften, und fügte hinzu: „Die Kämpfe der vergangenen Jahre sind der Beweis dafür, dass die Regierung einen starken Gegner hat. Und wer so tut, als würde er das nicht sehen, tut dies ganz einfach, weil er selbst diesen Gegner, diese Bewegung, diesen Widerstand des Volkes nicht an der Backe haben will.
Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit diese Kämpfe noch stärker werden. Damit sie der heutigen und jeder künftigen volksfeindlichen Regierung weiterhin das Leben schwer machen. Dass sie zur Verbesserung des Lebens vieler Menschen heute beitragen, bis sie zu einem großen, starken, landesweiten Strom werden, der sie morgen mitreißen wird. Er wird einen radikal anderen Weg für unser Heimatland und unser Volk bahnen.
Wenn vor 140 Jahren, am 1. Mai 1886, die Forderung der Arbeiter der 8-Stunden-Tag war, gibt es heute alle Möglichkeiten, dass die Werktätigen weniger arbeiten können und dabei einer festen und dauerhaftenArbeitnachgehen, 7-Stunden-Tag – 5-Tage-Woche – 35-Stunden-Woche, eine kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung, das Recht auf Erholung, Kultur und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben genießen. Doch stattdessen sehen wir überall, wie die Profitjagd, die kriegerischen Konkurrenzkämpfe und die Ausbeutung der Werktätigen das Maß aller Dinge sind.
Damit alle Möglichkeiten zum Wohle des Volkes genutzt werden können, muss die „Quelle des Übels“, das kapitalistische Eigentum und die kapitalistische Macht, beseitigt werden. Das sind die Ursachen für die Ungerechtigkeit, die Ausbeutung, die Kriege. Sie lähmt die unvorstellbaren Möglichkeiten, die die Werktätigen täglich schaffen.
Die Forderung der heutigen Zeit ist das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln, an der Industrie, an den Häfen, an den Betrieben, am Transportwesen – damit die Bedürfnisse der Gesellschaft bedient werden und nicht die Profite der Kapitalisten. Damit der Reichtum in die Hände derer gelangt, die ihn tatsächlich schaffen. Mit einer wissenschaftlichen Zentralplanung der Wirtschaft, damit alle Produktionskapazitäten des Landes im Hinblick auf die Verbesserung des Lebens des Volkes genutzt werden (...)
Wir kämpfen in den Fußstapfen der „200“! Und wir werden siegen!
Mit der KKE voran, noch stärker, noch standhafter, bereit, dem Ruf der Geschichte nach Sozialismus zu folgen!“