Beitrag von Elisaios Vagenas, Mitglied des ZK und Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen des ZK der KKE, im Nachrichtenportal „dnews“, 24. Februar 2026
Der Konflikt in der Ostukraine kam für die KKE nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern war der Ausbruch eines vorprogrammierten Konflikts, der methodisch im „Schmelztiegel“ konkurrierender Machtinteressen vorbereitet wurde und das Ergebnis der kapitalistischen Restauration ist, die zur Auflösung der Sowjetunion geführt hat. Erinnern wir uns daran, dass damals die griechische Politik, von der extremen Rechten bis zur sogenannten „Erneuerungs-Linken”, „außer einigen unverbesserlichen“ der KKE, behauptete, dass sich für die Völker „die Tore zu Frieden und Wohlstand eröffnen”.
Die lange „Kette” von Kriegen (Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Sudan, Ukraine, Iran usw.) und die kapitalistischen Krisen die darauf folgten, beweisen eindeutig, wer mit seinen Vorhersagen Recht hatte.
Zu den Kriegen, die dabei ausgebrochen sind, gehört auch der Krieg in der Ukraine, der heute seit 1.461 Tagen andauert. Es ist der größte Krieg auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg und hat Millionen von Geflüchteten, Verletzten und Hunderttausende Tote gefordert. Vor allem junge Menschen aus armen Familien, die entweder der Einberufung nicht entkommen konnten oder sich aufgrund des hohen Soldes „freiwillig“ zum Krieg gemeldet haben.
Die KKE deckte die Ursachen dieses Blutvergießens auf und wies die Vorwände des EU-NATO-Blocks zur „Verteidigung der Souveränität der Ukraine“ oder der „freien Wahl der Bündnispartner“ oder der „Demokratie gegen Autoritarismus“ zurück. Sie widerlegte auch die Vorwände, die die russische Führung für die inakzeptable militärische Invasion der Ukraine nutzte, nämlich den „Kampf gegen den Faschismus“, die „Verteidigung der russischsprachigen Bevölkerung“ oder die „Entmilitarisierung der Ukraine“. Die KKE hat deutlich gemacht, dass es bei dem Konflikt nicht um eines der oben genannten Themen geht, sondern um die Kontrolle über die Ressourcen, die Energieversorgungswege und die Einflusssphären zwischen dem euro-atlantischen Block und der sich herausbildenden eurasischen imperialistischen Achse. Kürzlich konnten wir live das Feilschen zwischen Trump, Selenskyj und Putin um die seltenen Erden der Ukraine mitverfolgen, das auch die letzten Illusionen einiger Menschen zerstreut hat.
In diesen vier Jahren des imperialistischen Krieges war die KKE in Griechenland Vorreiterin im Kampf gegen die Verstrickung unseres Landes in den Krieg im Rahmen des euro-atlantischen imperialistischen Blocks. Sie organisierte wichtige Massenkundgebungen gegen den Krieg vor US-amerikanischen Stützpunkten in Alexandroupoli, Souda, Larissa usw. Sie unterstützte entsprechende Aktionen von Gewerkschaften und Massenorganisationen, der antikriegs- und antiimperialistischen Bewegung. Sie blockierte Straßen, Eisenbahnen und Häfen, die von NATO-Streitkräften genutzt wurden. Sie lehnte das Abkommen über die Ausweitung der US-amerikanischen Stützpunkte und die Militärausgaben für die NATO ab. Im EU-Parlament, als die Nea Dimokratia, PASOK, SYRIZA und die extreme Rechte gemeinsam mit Parteien der europäischen „Linken“ den Kriegstaumel der europäischen Imperialisten unterstützten, stimmte die KKE dagegen und prangerte dies vor dem Volk an. Sie verurteilte und widersprach sowohl der Entsendung von Kriegsmaterial der griechischen Streitkräfte in die Ukraine als auch der Ausbildung ukrainischer Soldaten .
Heute beunruhigt vor allem die Dauer und die weiteren Ausmaße, die der Krieg annehmen kann, und ob er sich mit den Dutzenden anderer kriegerischer Auseinandersetzungen in der Welt, z.B. zwischen dem Iran und den USA, „vereinen“ und „verbinden“ kann. Mit anderen Worten, ob er sich weiter ausweiten und zum Einsatz noch zerstörerischer, sogar nuklearer Waffen führen wird.
Krieg ist kein Naturphänomen wie ein Erdbeben, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, und im Kapitalismus, dem Feind der Völker, geht er mit den Konkurrenzen einher, die zu imperialistischen Kriegen führen, um die Profite der Monopole zu sichern, die Kontrolle der Märkte und der Ressourcen, der Energievorkommen und der Transportwege für Energie und Waren, die Ausbeutung der Werktätigen und der Völker.
Trotz verschiedener „Friedensgespräche” oder temporärer Waffenstillstände ist die Wahrheit, dass die Menschheit zum ersten Mal seit dem Zweiten imperialistischen Weltkrieg so kurz vor einem Dritten imperialistischen Weltkrieg steht. Diese Feststellung stützt sich sowohl auf den heftigen Konflikt zwischen den USA und China um die Vorherrschaft im globalen imperialistischen System als auch auf die intensiven Kriegsvorbereitungen der imperialistischen Mächte und der konkurrierenden imperialistischen Pole, die stark an die entsprechende Periode der zwischen den beiden Weltkriegen erinnern. Es sollte uns nicht wundern, dass es innerhalb imperialistischer Bündnisse wie der NATO und der EU zu Gegensätzen kommt. Diese werden durch die ungleichmäßige kapitalistische Entwicklung und die ungleichen Beziehungen zwischen den kapitalistischen Staaten verursacht. Allianzen können sich verändern, neu formieren, aber ihr klassenbezogenes Wesen bleibt bestehen: Sie ist die wirtschaftliche Basis der kapitalistischen Staaten, aus denen sie bestehen, und ihre „Streitigkeiten“ dienen den Interessen der wenigen, ihrer Monopole. Deshalb ist das Dilemma „euro-atlantisches oder eurasisches Lager” eine Scheinfrage und hat nichts mit den Interessen der Völker zu tun.
Es sind die Völker, die in imperialistischen Kriegen ihr Blut vergießen, die zu „Kanonenfutter“ werden, damit die Kriegsindustrie und danach die Bauindustrie vom „Wiederaufbau“ profitieren können.
Glauben wir nicht den Regierenden jeder Couleur, die behaupten, wir seien als Land eine „Insel der Sicherheit und Stabilität” in einer Welt, die brennt, verrottet und im Abgrund der Kriege versinkt! Solche Inseln gibt es im Kapitalismus nicht! Die USA, die NATO, die EU, jede imperialistische Allianz ist kein „Schutzhafen”, wie man uns weismachen will. Das wird uns durch den Fall Grönlands, die „Grauzonen“ in der Ägäis, der sogenannten „Blaue Heimat“-Doktrin der Türkei usw. klar und deutlich vor Augen geführt.
Jetzt muss der Kampf des Volkes und der Jugend verstärkt werden, um die US-NATO-Stützpunkte des Todes zu schließen, die Kontingente der griechischen Streitkräfte, die sich außerhalb der Grenzen befinden, zurückzuholen. Der Kampf der Werktätigen für die Entkopplung des Landes von imperialistischen Interventionen, Kriegen und den Allianzen der NATO und der EU muss ebenfalls verstärkt werden. Damit das Volk in unserem Land sein Schicksal selbst in die Hand nimmt.
